So weit und doch ganz nah

Wenn Katzen wie vom Erdboden verschluckt sind

Eine Fundkatze wurde im Albert-Schweitzer-Tierheim abgegeben. Eine von vielen. Alles lief wie gewohnt ab. Routinemäßig wurde nach Transponder (Micro-Chip) oder Tätowierung gesucht. Dieses mal zeigte das Chiplesegerät eine Nummer an, anhand der wir ermitteln konnten, dass die Katzendame Jerry seit 2013 gesucht wird! Wie kann so etwas sein? Wo hat sich die Katze all die Jahre aufgehalten? Dann stellte sich heraus: Der Fundort lag nur 2,5 Kilometer von ihrem ursprünglichen Wohnort entfernt; die Katze hätte eigentlich jederzeit nach Hause laufen können.

Warum ging Jerry nicht nach Hause?

Vermutlich wurde Jerry irgendwo gefüttert und dann, als sie keine Notwendigkeit mehr sah heimzugehen um an ihr Futter zu kommen, als „ausgesetzt“ von fremden Menschen adoptiert.

Katzenbesitzer, wie die von Jerry, kommen dann oftmals um vor Sorge, suchen nach dem Familienmitglied und leben mitunter jahrelang mit der Ungewissheit, was dem Liebling wohl widerfahren ist. Jerry hatte Glück, dass sie einen Transponder trug, sie wurde nach fünf Jahren von ihrer ungläubigen, aber glücklichen Familie abgeholt.

Warum muss ich eine fremde Katze füttern?

Die Antwort lautet: Muss ich gar nicht! Wenn ein Freigänger auf seinem Streifzug meinen Garten kreuzt, mich freudig anschnurrt und vielleicht auch den Bettelblick auflegt (er kennt die Wirksamkeit dieses Blicks ja schon von den Besuchen in anderen Gärten …), dann ist er herzlich eingeladen, sich ein sonniges Plätzchen zu suchen, um eine Zeit lang zu verweilen. Zum Futtern geht es dann aber bitteschön ins eigene Zuhause - seine Menschen warten ja schließlich und haben für ihn feste Fütterungszeiten.

Glaube Sie mir, er geht nach Hause und bleibt nicht 24 Stunden in meinem Garten. Kommt er allerdings über Wochen, sieht immer ungepflegter und hungriger aus, dann ist es an der Zeit sich Sorgen zu machen - vielleicht hat er sich verlaufen. Der Tierschutz sollte dann auf jeden Fall informiert werden, um die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten.

Auch Kater Sunshine wurde „fremdgefüttert“

Leider wurde bei Kater Sunshine der Tierschutz erst nach 6 Jahren informiert, als der Kater nicht mehr erwünscht war. Bis dahin wurde Sunshine fast 6 Jahre lang nur drei Kilometer entfernt von seinem „eigentlichen“ Zuhause gefüttert. Erst von der einen Person; diese zog dann fort. Also fütterte der Nachbar weiter. Als dieser verstarb, musste Sunshine sich alleine durchschlagen. Die neuen Eigentümer des Hauses informierten letztendlich den Tierschutz, weil sie den Kater nicht auf ihrem Grundstück haben wollten.

Auch Sunshine trägt einen Transponder und wurde schmerzlichst von seiner Familie vermisst. Mittlerweile sind dort schon zwei neue Stubentiger eingezogen, die Sunshine zum Glück mit offenen Pfoten aufgenommen haben.

Die Statistik zeigt die Zusammenhänge

Ich habe mir einmal die Fund- und Wohnorte der Katzen, die im ersten Halbjahr 2018 im Albert-Schweitzer-Tierheim aufgenommen wurden, angeschaut. Die allermeisten Katzen werden nur ca. 600 m von ihrem Wohnort „gefunden“; sie saßen unter Umständen vor einer fremden Türe und wollten (Achtung: Bettelblick!) noch mehr Futter haben.

Einige wenige weisen eine Entfernung von 10 Kilometern und mehr auf. Sie müssen entweder ein Ticket für Bus und Bahn haben oder, was wohl wahrscheinlicher ist, wurden einfach mitgenommen. Nicht alle Tiger sind jedoch mit diesem „Catnapping“ einverstanden.

Deshalb mein Appell: Bitte füttern Sie keine fremden Katzen!

Freigängerkatzen bekommt man in der Tat nur über feste Futterzeiten verlässlich an ihr Zuhause gebunden. Eine Fremdfütterung verhindert das. Denken Sie aber bitte auch an die Besitzer! Diese machen sich große Sorgen, suchen die Straßen ab und haben schlaflose Nächte.

Wenn Sie unsicher sind, wie sie eine Katze einschätzen sollen, rufen Sie einfach bei uns an - wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zu Seite!